When I was once …

Bild:Simone Finster
Autorin: Sonja Sternitzke

Applaus brandete auf. Er spürte die Welle in sich aufsteigen. Wärme durchzog seinen Körper, da wo vorher nur Unsicherheit und Kälte gewohnt hatten. Er fühlte sich lebendig, ganz anders als sonst. Wertvoller. Im Rampenlicht.
Geschmeidig umfloss sein glitzernder Anzug seinen Körper. Träumte er oder war es Wirklichkeit? Es sollte nicht aufhören! Es fühlte sich so gut an. Er machte ein paar Stimmübungen. Wie klar die Töne zwischen seinen Lippen hervorperlten.
Ja! Er sah sich im Spiegel am Bühnenrand. Sah er gut aus! Sein blondes Haar saß und mit der Sonnenbrille war er sowas von cool. Wieder ertönte Applaus, die Menschen wollten ihn. Die Hände klatschten Stakkato.
Er trat vorne auf die Bühne, öffnete den Mund und sang die ersten Töne seines Lieblingsliedes an. „When I was once a little boy… I asked my mother, what will I be…“
Was tat er da? Das wollten die Leute nicht hören. Das Gejammer eines jungen Mannes, der seinen Weg suchte und nicht fand. Sie wollten die Rockröhre, die sie gebucht hatten. Fieberhaft überlegte er unter Buh-Rufen die passenden Texte und Melodien, doch ihm fiel nichts ein. Störende Pfiffe brachten ihn noch mehr aus dem Konzept.
Wenn es ein Traum war, dann wurde er in diesem Moment zum Albtraum. Es sollte aufhören! Aufwachen. Aufwachen. Aber der Traum wollte ihn nicht entlassen. Was hatte das zu bedeuten? Welche Lehre sollte er ziehen?
Vor seinem Auge erschien die Losung des Tages. „Werde der, der du bist …“
Und alles war klar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.