Such dir eine neues Aschenputtel, der dein Schuh passt – Ich bin raus!“

Ich habe gerade ein paar neue Schuhe gekauft, für einen besonderen Anlass, mehr wird noch nicht verraten. Diese Schuhe habe ich mir selbst ausgesucht. Ihre Farbe. Ihre Form und ihre Aufschrift.
Und dann gibt es da diese anderen Schuhe. Schuhe, die uns dahingestellt werden und die wir gewohnt sind anzuziehen. Und damit meine ich nicht die, die wir morgens anziehen, wenn wir in unseren Tag gehen.
Diese Schuhe, die wir tragen, weil wir glauben, sie tragen zu müssen. Na ja, dann sind Schuhe ein anderer Begriff für sauber polierte Glaubenssätze, die manchmal und dann am liebsten in getragenen Schuhen auf dem Weg liegen und dann mal so schauen, wer sie mitnimmt …
Da gibt es die einen, die gehen vorbei und sehen sie nicht einmal. Die haben kein Problem mit Schuhen, die haben vielleicht ganz andere Probleme oder eben nicht. Dann gibt es die anderen, die nur noch mal und aus Versehen über die Schuhe stolpern und sie dann aus alter Gewohnheit anziehen und aber auch genauso schnell wieder ausziehen, weil sie merken, das sind längst nicht mehr meine.
Und dann gibt es die, die immer wieder in diese Schuhe rennen, weil sie zutiefst glauben und davon überzeugt sind, dass es ihre sind und sie dort auf dem Weg auf sie warten und sie sie tragen müssen. Das hat mit ganz viel Anspruch an sich selbst zu tun und immer auch mit Erwartungen an sich selbst und andere. Nicht immer können sie dann souverän und professionell neben sich stehen und genau das erkennen, dass es wieder passiert ist, wieder ist viel Energie und und Aufwand für einen alten, abgetragenen Schuh draufgegangen, was für eine ZEIT-, ENERGIE- und LEBENSverschwendung!
Sie fangen an die anderen zu beobachten, denen das so gut wie nie passiert, die die Schuhe nicht einmal registrieren und sie richten ihren Fokus neu, straffen ihre Schultern und sehen da am Horizont die wirklich wesentlichen Dinge des Lebens. Da wollen sie hin und da werden sie sich wieder mehr hin aufmachen. Für das, was wirklich zählt, für das, was mir ganz allein wichtig ist!
Und dann wird es dringend Zeit, diesen ollen Schuh in die Tonne zu treten, denn er passt längst nicht mehr!

5 Gedanken zu „Such dir eine neues Aschenputtel, der dein Schuh passt – Ich bin raus!“

  1. DAG mare

    Und wenn du dann die ollen Schuhe aussortiert hast, barfuß über Felder – neues Leben spürend – deinen Weg gehst, von anderen verständnislos angeschaut und gewarnt wirst, dich frei fühlst, erinnerst du dich plötzlich an diese „Schuhe deiner Kindheit“, siehst sie vor dir: die roten Pumps der Mutter, welche wieder diese Magie auf dich ausüben wie damals, als du sie immer wieder anzogst und – dich groß fühlend – darin herum wackeltest, das klappernde Geräusch der Pfennigabsätze steigernd und davon träumtest, endlich da hineinzupassen in Größe 42, auf die du noch endlos lange warten musst mit deiner Größe 30.
    Plötzlich wird dir wehmütig um’s Herz, weil du etwas vermisst, was du nicht genau betiteln kannst. Die ollen Schuhe sind aussortiert, der freie Platz ruft nach neuen. Du weißt, welche du dir anschaffen willst – du musst sie nur noch finden. Irgendwann wirst du aber auch diese verhassten Gesundheitslatschen anziehen, welche du nie anziehen wolltest, da der Weg einfach zu steinig ist.
    Aber bis dahin genießt du das Barfußgehen – spürst dich, wenn du ganz viel Glück hast – und hoffst, sie eines Tages wiederfinden, diese „roten Schuhe“, um ….. ja – was?
    ANZUKOMMEN – zurück zu kommen – SICH zu finden? Ich weiß es jetzt! …. Denn soeben kam meine Enkeltochter und zeigte mir ihre neue Errungenschaft:
    Die neuen Schuhe, welche sie beim Abschlussball anziehen wird – ich erkenne sie sofort, diese roten Pumps, die immer tanzen wollen !

    Antworten
  2. Anne Winckler

    Liebe Sabine,
    Schuhe – welch ein Symbol. Erst ziehen wir als kleine Mädchen Schuhe unserer Mütter an, um so zu sein wie sie, auch wenn die Schuhe viel zu groß sind. Dann versuchen wir verzweifelt unsere Füße in unpassende Schuhe zu zwängen, weil wir auch da wieder jemand sein wollen, der wir nicht sind. Und dann kommt die Lebensphase der Bequemschuhe, die dann vielleicht „Waldläufer“ heißen, auch wenn man mit ihnen sehr selten nur noch durch den Wald läuft. Aber immer nur Barfußlaufen ist auch keine Lösung. Schuhe mit Spielraum und genug Platz für alle Zehen sind wichtig:
    Liebe Grüße
    Anne

    Antworten
    1. sabine Beitragsautor

      Liebe Anne,
      ja, Schuhe sind auch ein genialer Schreibanlass; das haben mir deine und die anderen Kommentare gezeigt. Beim nächsten Mal zeige ich dir das Bild der Schuhe, nein, ich werde sie tragen! 😉
      Liebe Grüße,
      Mia

      Antworten
  3. Ulrike

    Liebe Mia,

    vielen Dank für diese wunderbare Schuh-Fabel. Ja, wer sucht die Schuhe aus, die wir tragen (die uns tragen?).
    Am liebsten würde ich eine ganze Geschichte lesen, über die Kinderschuhe, die Pumps, die Tanzschuhe, die Hauslatschen, die Gummistiefel, die Turnschuhe, die Lieblingsschuhe, die roten Zauberschuhe, die zu kleinen Schuhe, die zu großen Schuhe…

    Bin jedenfalls schon gespannt, deine Neuerwerbung näher kennen zu lernen. Und hast du ein (fremdes Aschenputtel-) Paar auch in den Müll geworfen?

    Herzliche Grüße
    Ulrike

    Antworten
    1. sabine Beitragsautor

      Liebe Ulrike,
      ja, es ist ein anderes Exemplar aus meinem Schrank „geflogen“ und damit das Bild eines angeblich angemessenen Schuhpaares …
      Ich weiß gerade nicht, was ich lieber aus dem Schrank befördert habe …:-)
      Liebe Grüße,
      Mia

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.