NaNoWriMo – Ich tue es doch wieder

Heute ist schon der vierte Tag bei NaNoWriMo. Ich habe bis heute Mittag nicht daran gedacht, wirklich nach 2008 noch einmal mitzuschreiben. Doch seit heute Mittag hat es mich gepackt. Ich habe die bis heute erforderlichen Wörter geschrieben, bin wieder auf Stand: 7018 Wörter.
Ich habe es vermisst, dieses so besondere Gefühl, wenn es an einem freien und sonnigen Tag nur die Geschichte und dich gibt und sich alles nur darum dreht, wie es weiter geht.
Ich genieße es und habe es vermisst, dieses intensive und so lebendige Gefühl einer neuen großen Geschichte, die sich heute auf den Weg gemacht hat. Wäre es nicht eine, die ich im Rahmen des Studiums, Schreiben für Kinder und Jugendliche, mit verwenden könnte, hätte ich seufzend verzichten müssen, so aber kann ich das eine mit dem anderen verbinden! Ja!
Und, auch Miss Novice und Ulrike und nicht zuletzt das neue, wunderbare Buch von Andreas Steinhöfel, das ich gestern Aben dund heute Morgen gelesen habe, hat mir soviel gute Laune und Lust auf selber schreiben gemacht, danke euch von Herzen dafür.

Hier ein kleiner Ausschnitt
3. Kapitel
Max lag eingekuschelt unter seiner Bettdecke, hatte sich sein Kissen hinter den Rücken gestopft und strich behutsam über den Einband. Das tat er immer, bevor er ein Buch aufschlug. Er wollte den Moment der ersten Wörter noch ein wenig hinauszögern, denn er wusste, sobald er das Buch aufschlug, würden die Wörter ihn mitreißen und unaufhaltsam mit ans Ende nehmen. Es gab fast nichts Schlimmeres für ihn, als das Ende eines Buches, denn das bedeutete für ihn, aus der Geschichte heraus und in sein eigenes Leben zu fallen. Manchmal las er die letzten Seiten bewusst nicht, denn, wenn er sie nicht las, dann konnte er noch in seinem eigenen erdachten Phantasie-Ende der Geschichte verweilen. Also, mochte er am meisten Serien, denn dann wusste er sicher, wenn er das Buch ausgelesen hatte, gab es direkt einen Nachfolgeband. So hatte er das mit allen Tagebüchern von Greg gemacht und auch mit allen Harry Potter Büchern.
„Bist du nicht zu jung dafür?“, hatte die junge Auszubildende Emilie bei der Ausleihe gefragt.
„Nein, ich mag die Bücher, weil sie so herrlich dick und lange nicht zu Ende gelesen sind.“ Seit diesem Tag hatte Emilie ihm immer mal neue Bücher empfohlen, wenn er mal wieder in die Bücherei kam. Max wusste natürlich auch, dass er schon viel mehr lesen konnte, als die meisten anderen Kinder in seinem Alter, aber das fand er nicht schlimm, dafür konnte er nicht so gut rechnen, damit waren sie dann wieder quitt. Und seine Lehrerin Frau Schlünder wusste das auch nicht und das war auch besser so, bevor ihr einfiel bei ihm zuhause anzurufen und von ihm zu erzählen.
Das hatte sie bei Bernd gemacht, der angeblich hochbegabt war und dann hatten ihm eine Eltern zuhause noch viel mehr zu lernen gegeben und seitdem war Bernd ziemlich blass und sprach noch weniger als sonst. Das gab nur wieder Ärger mit Mama und Uwe und so war es besser. Mama würde von dem wenigen Geld jammern, das sie nicht hätten und Uwe würde ihm die Bücher ruinieren. Also, bloß nicht auffallen, heimlich lesen und ins Buch untertauchen. Das konnte er und es verging selten ein Satz, vor dessen Ende er nicht längst seine Welt um sich herum vergessen hatte.
So erging es ihm mit „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ auch. Max lebte mit den Figuren, begleitete sie in die Dieffe und erlebte die Abenteuer mit Mister Zweitausend mit. So einen besten Freund wie Rico oder Oskar hätte er auch gerne gehabt. Oder solche Müffelchen wie die von Frau Dahling.
Max‘ Magen knurrte laut und vernehmlich. Er hatte heute Abend wieder wenig gegessen, denn je länger das Essen dauerte, umso höher war die Gefahr, dass etwas passierte, also aß er lieber nicht so viel. Ein heimlicher Gang zum Kühlschrank wäre für ihn ein ähnlicher Angstgang wie für Rico in den Keller.
Max legte das Buch aus der Hand und schaute auf die Uhr. 23: 12 Uhr. Er erschrak kurz. Mist, er hatte vergessen das Licht auszumachen und natürlich war niemand in sein Zimmer gekommen, aber, wenn es dann doch passierte, gab es meistens Hausarrest, was nicht weiter schlimm für ihn war, wenn er genug zu lesen hatte.
[…]

5 Gedanken zu „NaNoWriMo – Ich tue es doch wieder

  1. Miss Novice

    Liebe Sabine, du bist doch immer für eine Überraschung gut!
    Willkommen im Club. Noch. Denn in mir wachsen natürlich schon wieder die Zweifel, ob ich das durchhalten kann und will – du hast mich quasi rechts überholt, gerade stehe ich bei knapp 7000 Zeichen. War es wirklich so eine gute Idee mit dem biografischen Schreiben, frag ich mich schon wieder … Egal, ich freue mich, dass du dabei bist, und hoffe, dass dein Drive ansteckend ist!
    Einen inspirierten Schreibsonntag wünsch ich dir, lG, Amy

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    1. Sabine Hinterberger

      Liebe Amy,
      ja, es ist dieses tolle Gefühl, das beim Entstehen der Geschichte entsteht, was mich so sehr begeistert, was ich vermisst habe … Und, ich habe mir keine Wörtervorgabe gegeben, ich wil nur jeden Tag, das sind dann meine etwas anderen Morgenseiten, an dieser Geschichte, die bewusst keine biografische ist, weiterschreiben.
      Und, es ist ein schönes Gefühl, dass du das gerade auch tust und Ulrike auch! 🙂
      Dir auch einen kreativen Schreibsonntag,
      bin heute zur Lesung von Andreas Steinhöfel,
      das passt gut,
      Mia

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  2. Pingback: Am 7. Tag im National Novel Writing Month – Berlin schreibend entdecken

    1. sabine Beitragsautor

      Liebe Ulrike, liebe Anne,

      dann sind wir die „NaNoWriMoWoSchwestern …
      Freue mich, dass ihr mit dabei seid,
      MISAbine

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  3. Ulrike

    Liebe NaNoWriMoWoSchwester,
    dein Ausschnitt lässt für mich den kleinen Max und seine Lebenswelten lebendig werden. Diese Magie des Lesens und auch der Abschiedsschmerz, wenn ein Buch zu ende geht, kenne ich sehr gut und habe das besonders als Kind sehr stark empfunden.
    Ich wünsche dir auch weiterhin viel Freude und Inspiration für deine schreibenden NaNoWriMo-Flug-und-Tauch-Expeditionen in andere Welten.

    Herzliche Grüße
    Ulrike

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