im dunkelblau der worte zuhause

Foto: Die Buchbar, Kunstpostkarte „Sie nachts mit Buch“

Erst gestern Morgen habe ich den Untertitel meines Blogs verändert: Einen Ort zu schaffen, an dem Menschen schreibend ein Zuhause finden können.
Zuhause? Heimat?
Was ist das für mich?
Menschen. Familie, Freunde.
Der Ort, an dem ich geboren bin.
Der Ort, an dem ich arbeite?
Ist es überhaupt ein Ort?

Im Schreiben zuhause
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S chreiben
Fr E iheit


5 Gedanken zu „im dunkelblau der worte zuhause

  1. hedda lenz

    Liebe Mia,
    wo bin ich zu Hause, das ist eine Frage, die ich mir seit vielen Jahren stelle. Zu Hause bin ich dort, wo meine Bilder und Bücher sind, zu Hause bin ich dort, wo mein Herz hängt, zu Hause bin ich zwischen den Tautropfen des Morgens und den Sternschnuppen der Nacht, zu Hause bin ich in Dur- und Moll-Akkorden und in allen Zwischentönen, zu Hause bin ich dort, wo meine Seele schwingt… Bin ich zu Hause in mir?

    Ein Thema, über das ich sehr gerne nachdenke…

    Danke für den Anstoß

    Hedda

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  2. Anne Winckler

    Liebe Sabine, liebe Hedda,

    ich würde gern sagen, dass ich in mir zu Hause bin, aber da tauchen immer wieder neue unbekannte Ecken auf und alte Abgründe. Das verschreckt mich. Deshalb wage ich es nicht zu sagen, ich bin zu Hause in mir. Manchmal fühle ich mich aber zu Haues mit mir. Das ist da, wo ich im Dunkeln durch die Wohnung gehen kann, ohne mich zu stoßen, weil sie mir so vertraut ist, das ist da, wo ich mit einem Griff die Regenjacke aus dem Schrank ziehen kann, weil er mir so vertraut ist. Das ist da, wo ich die CD mit der Schubert-Messe aus dem Regal fische, ohne lange suchen zu müssen und auch so ungefähr weiß, wo die Hölderlin-Biografie von Härtling hingewandert ist. Zu Hause ist Vertrautheit für mich.
    Danke für Eure Denkanstösse
    Liebe Grüße
    Anne

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    1. sabine Beitragsautor

      Liebe Anne,
      ja, diese Abgründe und neuen, unbekannten und alten, vertrauten und eher düsteren Landschaften in mir, die kenne ich auch … Mir hilft dabei das Schreiben in der Nacht, wenn das Licht des Kerzenscheins sehr viel milder und gütiger auf genau diese Stellen schaut und dann ist es wieder das Schreiben, sind es meine eigenen Worte oder die gelesenen oder als Geschenk von anderen erhaltenen Worte, wie von dir, die sich heilsam darüber legen und es mir leichter machen, mich mit mir anzufreunden,
      in mir zu bleiben und mich genau dorthinzuschreiben …
      Liebe Grüße,
      Mia

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  3. Ulrike

    Liebe Mia,
    ich habe die letzten Tage auch darüber nachgedacht, was „Zuhause“ für mich eigentlich bedeutet. Sicherlich sind nahestehende Menschen ein emotionaler Anker. Aber wenn man alleine lebt, sind die eigenen 4 Wände doch irgendwie das Nest, in dem ich mich sicher und auch vertraut fühle. Diese Dinge in der Außenwelt – auch das Viertel, in dem ich jetzt wohne – spielen eine Rolle. Da ist das Gefühl von Vertrautheit (so wie Anne es auch beschreibt) wichtig und auch mit meiner Umgebung irgendwie in Kontakt zu treten und den Orten eine persönliche Bedeutung zu geben (zum Beispiel durch das Pflanzen von ein paar Sonnenblumen).

    Aber noch wichtiger ist glaube ich auch für mich dieser innere Ort. Für mich ist es mehr noch als das Schreiben (leider bin ich manchmal zu faul dazu) meine Fantasie an sich, die für mich ein inneres Zuhause ist.

    Vielen Dank für deinen anregenden Beitrag. Auch das Bild mit der Schlafenden in den Bücherseiten in einer wunderbaren Verbindung und in diesem beruhigenden Blau finde ich sehr inspirierend.

    Herzliche Grüße
    Ulrike

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    1. sabine Beitragsautor

      Liebe Ulrike,
      ja, das/ein/unser/dein/mein Zuhause hat so viele Facetten … Auch für mich ist seit drei Jahren das kleine Apartment unterm Dach für das Schreiben und mich ein besonderes Zuhause. Ein Ankommen bei mir. Eines, in das ich komme, das Fenster weit öffne und über die Dächer der Straße und Stadt ins Grün des Waldes schauen kann. Genau das ersetzt mir ganz oft das Fernsehprogramm.
      Ja, diesen Ort habe ich mir ganz bewusst auch ausgesucht, weil ich hier mittendrin in der Stadt lebe und den Menschen und ihren Geschichten direkt begegne. So kenne ich in der Stadt, in der ich lebe, oft nicht die Dinge, die „alle“ kennen, für mich sind es oft ganz andere Dinge, dabei denke auch auch an deine Sonnenblumen, die dem Ort sofort etwas schenken, was Bedeutung hat …
      Ja, über das Zuhause, innen oder außen oder in der Phantasie und Vorstellung, sehr spannend. Ich lese gerade das vo Urs empfohlene Buch mit dem gleichnamigen Titel von Daniel Schreiber und mache morgen eine zweisprachige Schreibwerkstatt, die in deutsch und arabisch, Worte als Zuhause gestalten wird … Bin schon sehr gespannt und auch aufgeregt.
      Liebe Grüße,
      Mia

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