„I have a dream …“

Am 28. August 1963, heute vor fast genau 54 Jahren, sprach Martin Luther King genau diese Worte. Er improvisierte am Ende seiner außerordentlichen Rede und sprach ohne Manuskript, aus vollem Herzen und aus Überzeugung von seiner Vorstellung von einem Land, das er sich für seine Kinder wünschte.
Diese Worte „I have a dream …“ waren Teil einer beeindruckenden Rede, die bis heute immer wieder anerkennend zitiert und genannt wird. Damals und heute wieder, weil seine Idee nicht gestorben ist.
Die Rede und dieser eine Satz ist fünf Jahre älter als ich. Dieser eine Satz hat mich seit meiner Kindheit begleitet und gestern, als ich den Blogbeitrag von Anne gelesen habe, hatte ich, zu Tränen gerührt, das Gefühl, da setzt sich ein Puzzle zusammen, da wird etwas in mir zu einem Bild. Erst waren es „nur“ Worte, dann das Bild und jetzt eine Idee und, ja, ein Traum. Ich möchte nicht so anmaßend sein, meinen kleinen privaten Traum mit dem eines Martin Luther King zu vergleichen, aber ich glaube, mein Traum ist seiner Haltung, sehr ähnlich.
Ich habe diese Haltung in einem Film, der soviel mehr ist als ein Film wiederentdeckt. Und auch hier sind es die vier Worte, dieser eine Satz, der die Grundlage ist für das, was entstanden ist. Was ist entstanden?
Die Freedom Writers. 34 Jahre später.
„Währen die Freedom Writers im Frühling 1997 auf der Treppe zum Lincoln Memorial in Washington standen, geschah etwas Magisches. Wie auf ein Stichwort nahmen sich alle hundertfünfzig Jugendliche an den Händen und begannen die Treppen hinunterzugehen, wie es Martin Luther King dreißig Jahre zuvor getan hatte. Viele rezitierten Zeilen aus der berühmten Rede, als plötzlich jemand *Die Freedom Writers haben einen Traum* zu singen begann. Bald fielen andere ein, und die Stimmen wurden zu einer einzigen. Ich sah stauend und voller Ehrfurcht zu und erkannte, dass dies der „Traum“ war, den Martin Luther King damals gehabt hat. Ich war so stolz auf die Kids. […]
Als wir unten an der Treppe angekommen waren, sagte jemand, „Muss G, jetzt da wir mit unserer Washingtonreise in die Fußstapfen der Freedom Riders getreten sind, müssten wir den nächsten Ausflug eigentlich zu Anne Franks Haus machen. Schließlich hat unsere Reise doch genau dort angefangen …“

(Aus: Freedom Writers, Deutsch von Kerstin Winter, 2007/2010, Autorenhaus Verlag Berlin, Epilog, Erin Gruwell, S. 306)

2017. Wieder 20 Jahre später. All das beginnt mit einem Ort, an dem ich sein darf wie ich bin. An dem es Unterschiede gibt, aber keine gemacht werden. An einem Ort, an dem ich schreibend ein Zuhause finde, gemeinsam mit anderen, weil es genau das ist, was uns verbindet, trotz aller Unterschiedlichkeit.
Was wäre, wenn dieser Ort für den Anfang ein Café wäre, eines, das gesponsert wird, niemand kann ein solches Café nur mit seiner Haltung bewirtschaften. Was wäre, wenn es offen ist für alle, die sich bei einem Kaffee ausruhen, lesen, schreiben, reden oder einfach nur schweigen und sitzen wollen.
Was wäre, wenn es das eines Tages geben würde?
Ich habe diese Idee schon einmal umgesetzt und sechs Jahre lange begleitet. Ein Schreib- und Erzählcafé, das ich im Moment auf Eis gelegt habe, gerade, weil es mir sehr am Herzen gelegen hat und noch immer genau da liegt …😊 Mir ist im Tun eine Idee abhandengekommen, eine Idee, die Haltung auch genau dorthin zu bringen, wo Menschen sind, die das sonst nicht wahrnehmen könnten, die keine andere Möglichkeit hätten … Oder, genau das mit den Menschen, die gerne und gut schreiben, in Worte zu verwandeln, für die, die sonst keine Fürsprecher*innen haben … Ich weiß noch nicht, wie sich meine Idee in der nächsten Zeit entwickeln wird, aber ich freue mich jetzt schon auf das, was entsteht, denn ich spüre, dass ich auf dem richtigen Weg bin, weil es so viele Menschen gibt, die mich unterstützen, die mir wertschätzende Rückmeldungen geben, die sich mit mir auf den Weg machen – jede und jeder auf seine Weise! „I have a dream.“ Die Freedom Writers haben es mir angetan. Heute weiß ich erst, wie sehr, denn SIE stehen für eine wunderbare Idee.