Erlösung durch Käsekuchen?

Kein Schreibcafé –    P A U S E N F Ü L L E R ‚Für einen guten Käsekuchen wird man geheiratet!‘, krächzte die Kröte. Sie streckte ihre muskulösen Froschschenkel durch und reckte sich, bis sie den Knopf an der Musikanlage erreichte. Death Metal ertönte aus dem Lautsprecher. Sie linste misstrauisch hinüber zu dem Käsekuchen, der auf dem Holztisch zwischen den Büschen und Sträuchern auf einen hungrigen Esser wartete. Wie lange sie jetzt schon hier im Wald lebte! Ihre Jahre in voller Blüte waren Ewigkeiten entfernt. An die Zeit als Schönheitskönigin Esmeralda konnte sie sich kaum noch erinnern. Alles, was ihr aus ihrem früheren Leben geblieben war, bestand in dieser Anlage, die ihre Lieblingsmusik durch den Wald schallen ließ. Seit Jahrzehnten wartete sie darauf, dass sie jemand erlösen würde von dem Fluch.
Aber niemand kam je in ihre Nähe. Woche für Woche zauberte sie einen frischen Käsekuchen herbei und hoffte. Dabei hasste sie Käsekuchen wie die Pest! Aber nur er konnte sie retten und ihr die ursprüngliche Gestalt wiedergeben.
Sie blickte verzweifelt in die grüne Glasscherbe. Erkannte in ihren glubschigen Augen nur noch einen winzigen Rest Glanz. Wenn sich nicht bald ein holder Mann finden würde, müsste sie ihre restlichen Tage auch als alte Kröte verbringen.
Knackende Äste retteten sie aus ihrer Verzweiflung. Die Gestalt, die da in ihren Wohnbereich eindrang, ließ sich kaum erkennen und unterscheiden von den Tarnfarben des Waldes. Abgewetzte Kleidung umhüllte die männliche Gestalt. Na, so sah beim besten Willen kein Prinz aus! Der Bettler setzte schlurfend seine alten Füße voreinander, reckte die Nase in die Luft. Schnupperte.
‚Oh mein Gott!‘ Wenn dieser Typ von ihrem Kuchen aß …, musste sie dann mit ihm den Rest ihres Lebens verbringen? War das besser, als als glubschäugige Kröte zu vegetieren?
Der alte Mann kam näher, blickte unverwandt auf den duftenden Kuchen. Esmeralda öffnete vor Schreck das Maul, als sie sah, dass er die Hand gierig nach dem Gebäck ausstreckte.
Konnte sie …sollte sie den Lauf der Geschichte aufhalten? Sie überlegte noch den Zauberspruch, der den Kuchen verschwinden ließ, als der erste Bissen zwischen den verfaulten Stumpen des Alten verschwand.
Im gleichen Augenblick spürte sie eine Veränderung an sich. So, als wenn sich ihre Glieder reckten und streckten. Wurde die Vorhersage Wirklichkeit? Konnte sie in ihr altes Leben zurückschlüpfen? Wieder die junge, begehrenswerte Esmeralda sein?
Mit jedem Bissen mehr, den der verbitterte Bettler in seinem gierigen Schlund verschwinden ließ, würde sie der Wirklichkeit ein Stück näher kommen. Ihr Herz klopfte vor Aufregung. Aus den grünen Krötenhänden schoben sich menschliche Finger, blass und zart …
Von wegen blass und zart! Braun und schrumpelig und von Altersflecken übersäte Hände, daran Arme, die auch schon knackigere Zeiten gesehen hatten, kamen zum Vorschein, als sich nach und nach die Krötengestalt häutete und sie, Esmeralda, in Ohnmacht fiel. Plötzlich spürte sie einen kräftigen Kuss auf ihren Lippen!
„Mein Täubchen! Endlich habe ich dich gefunden. Schau nur, wie schön du bist.“
Er, der sie mit dem Verzehr des Käsekuchens gerettet hatte, strich ihr mit seiner Rechten zart über die faltige Wange, in der anderen Hand eine große Spiegelscherbe. Esmeralda lachte ihm und sich zögernd entgegen und entblößte dabei ihr nahezu zahnloses Gebiss …

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