Die Lieblingswörter-NICHT-GUTE-Nachtgeschichte – Teil 7

Mit der Ruhe kam auch der Nachtexpress zurück, folgte den Irrlichtern auf seinem Weg durch die Dunkelheit und ihre Schattenwelt und nahm alle Nachtmahre am Straßenrand mit, die dort meist per Anhalter und mit Traumpappschildern ihrer Zielorte auf Weiterfahrt warteten.
Tagsüber saßen sie meist in weißen, leeren Korbstühlen am künstlich angelegten Teich an irgendwelchen sonnenbeschienenen Orten fest, saugten sich voll mit der Energie der Sonne und der guten Laune der Menschen, die dort im Grünen ihre freie Zeit und ihre Wochenendsmontage genossen. All diese Energie benutzten sie, um mit zunehmender Dunkelheit ihre Schattenmonster in die Großraumnachttaxis zu verfrachten und entlang den Nachtmahr-Fahrtstrecken in die Betten und Träume der Menschen zu schicken. Dieser Fahrplan war einer, den sie seit Anbeginn der Zeit bis ins noch so kleine Nachtzeit- und Albtraumdetail ausgeklügelt hatte.
Nie kam ein Albtraum zu spät, zu früh oder gar nicht. Und kam er nicht, kam ein Nachtmahr-Ersatztraum daher. Immer dann, wenn er auf dem Fahrplan stand, tauchte er ein in die Traumwelt und erzählte seine Geschichte.
Immer nach einem genial ausgeklügelten Plot. Immer nach den bekannten Regeln guter Kurzgeschichten, die wahlweise aus dem Thriller oder Horrorgenre stammten und die Träumer*innen immer an der richtigen Stelle aus dem Traum rissen.
Ich verstand meinen Job. Doch meine eigenen Nachtmahre, die hatte ich leider nicht im Griff, die führten mich in unbekannte Asphaltdschungel des Tages, ohne Straßen- und Hinweisschilder, ohne Fahrplan und auch noch überallhin, nur nicht auf eine entspannte Traumreise.
„Hey, soll ich dich mal aus deiner Umnachtung beißen?“, fragte Konfetti.
„Au!“

6 Gedanken zu „Die Lieblingswörter-NICHT-GUTE-Nachtgeschichte – Teil 7

  1. Ulrike

    Liebe Sabine,
    passend zum Foto erschaffst du eine surrealistische Welt, in der selbst die Albträume im Großraumtaxi nach Fahrplan zum Urlauber in sein Korbstuhl-am-künstlichen-Teich-Paradies befördert werde. Schmunzel!!!!

    Herzliche Grüße
    Ulrike

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    1. sabine Beitragsautor

      Liebe Ulrike, so kann ich meinen Erholungsort vom Tag mit in die Geschichte der Nacht nehmen,irgendwie wird alles miteinbezogen,
      viele Grüße,
      Sabine

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    1. sabine Beitragsautor

      Liebe Mo,
      ja, Konfetti mag ich mit seinem Humor total gerne … sie ist gewissermaßen das Krafttier der Protagonistin … so schließt sich der Kreis wieder zu all den anderen Blogs,
      liebe Grüße und eine gute Nacht,
      Sabine

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  2. Anne Winckler

    Liebe Sabine,
    vielleicht kann Konfetti mal bei mir eine Lichterglanzkurve um meinen Kopf fliegen, damit auch ich wieder einen klaren Kopf kriege. Du schreibst mich ja ganz schuckelig mit den nicht endenwollenden Wortgirlanden. Deine Beiträge nehmen immer mehr Fahrt auf. Es macht einen atemlos am Tag, was bei Dir nächtens in Deiner Phantasie los ist. Ich verneige mich vor so viel Schreiblust!
    Herzliche Grüße – auch an Konfetti
    Anne

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  3. Sabine Hinterberger

    Liebe Anne,
    also, ich soll dich ganz herzlich von Konfetti grüßen, die ja jetzt erst langsam wach wird, weil für sie jetzt der Nachttag beginnt … Sie kommt in einer der nächsten Nächte vorbeigeflogen, also nicht erschrecken.
    Und, es sind eure Wörter, die die Geschichte schreiben; wenn ich anfange, weiß ich selbst noch nie, wohin es mich führt, ich schaue mir die Liste an und erst dann fange ich zu schreiben an.
    Bin selbst immer sehr gespannt und überrascht von den Figuren,
    liebe Grüße und eine gute Nacht,
    Sabine

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