Die Lieblingswörter-NICHT GUTE-Nachtgeschichte – Teil 4

Quelle: Anka Agency International/imago

Na ja, mit Nachfolgern ist das so eine Sache, sie sind nie wie ihre Vorgänger und müssen immer wieder neu deutlich machen, dass sie anders sind und auch noch so viel Elfenstaub und Feenzauber nicht darüber hinwegtäuschen kann. So ging es dem heutigen Tag auch nicht anders als dem gestrigen und vorgestrigen usw. …
Es ist eben nicht in jeder Streichholzschachtel ein kleiner Garten. „Nachtigall, ich hör dir trapsen!“, klingt zwar berlinerisch keck und frech, kann aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es zwischen den Tagen einen verdammt hohen Konkurrenzkampf gab, der wenig bis gar keinen Raum für Kuscheln übrigließ. Jeden Tag stand ein Neuer auf, der unter enorm hohem Druck stand und wollte seine 24 Stunden nutzen, um in die Geschichte einzugehen.
„Wie findest du ihn?“ Konfetti gähnt laut, was soviel heißt wie „Du kannst mir mal im Mondschein begegnen …“
„Na ja, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben!“, antworte ich lachend und wehre ihre Flügelschläge gegen mein Ohr ab, weil ich weiß, dass sie Zitate nicht mag.
Genauso wenig wie Krimis, die findet sie alle langweilig, weil zu selten Feldermäuse drin vorkommen, immer nur Uhus und Käuzchen. Die mag sie auch nicht. Vampire, das sieht schon anders aus.
Ich fand ja wirklich ein Tag sah wie der andere aus. Sie hatten durch meine Augen gesehen das Besondere verloren; es wurde eben nicht jeden Tag ein Schriftsteller der Nacht geboren, einer der auf den Tag pfiff und lieber die Zeit mit mir verbrachte. Ich kannte sie ja alle, aber ich will jetzt nicht angeben.
„Schau mal, der sieht doch ein wenig aus wie der kleine Vampir, oder?“ Konfetti hatte eindeutig zu viel dieser Vampirromane gelesen und stand aber am meisten auf den kleinen Vampir. „Das ist der Inbegriff eines Vampirs!“, erklärte sie immer wieder und verweigerte sich vehement der Tatsache, dass Bram Stoker erstmals das konkrete Bild eines Vampirs erschrieben hatte.
Vampire gibt es nicht!“, sagte der Nachfolger und machte sich mit einem Satz unbeliebt. Konfetti hielt sich die Flügel vor die Augen.
„Wieso nicht?“, fragte ich höflich.
„Geschöpfe der Nacht sind reiner Aberglauben und haben ihren Ursprung in der Angst der Menschen vor dem, was sie nicht kennen.“
„Ist wie mit der Dummheit, bei Licht betrachtet, verschwindet sie auch nicht!“, antwortete ich.
„Du bist so zickig wie mir das meine Vorgänger beschrieben haben!“
„Und du so altklug, als wärst du schon Jahrzehnte lang auf der Welt und bist es erst gerade mal vier Stunden! Du musst noch viel lernen!“
Den letzten Satz konnte ich mir nicht verkneifen.
„Na, dann werde ich mal los und der Welt meinen Stempel aufdrücken!“
Konfetti fiel nach diesen Worten vor Lachen von meiner Schulter. „Ui, der schießt ja echt den Vogel ab! Der ist ja der Inbegriff von kumulierter Dummheit!“
„Nicht alle Tage sind so!“, sagte ich und dachte an den einen, …

2 Gedanken zu „Die Lieblingswörter-NICHT GUTE-Nachtgeschichte – Teil 4

  1. Ulrike

    Liebe Sabine,
    was für eine tolle Idee, den Tag als eine Art Eintagsfliege zu beschreiben, der versucht, in seiner kurzen Lebenszeit der Welt seinen Stempel aufzudrücken und in Konkurrenz zu seinen Vorgängern und Nachfolgern steht.
    Beim Dialog zwischen dem jungen (gerade mal 4 Stunden alten) Tag mit der Fledermaus musste ich ziemlich schmunzeln. Konfetti als freche Vampir-Liebhaberin hat es dem Tag ganz schön gegeben. Klugheit entsteht aus Erfahrung…
    Herzliche Grüße
    Ulrike

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    1. Sabine Hinterberger

      Liebe Ulrike,
      also, ich kann dir sagen, Konfetti ist bei deinem Satz „Konfetti als freche Vampir-Liebhaberin“ abwechselnd rot und größer geworden, hat ihr gut getan. *Dieser* Tag ist unbelehrbar, aber da hatten wir auch nichts anderes erwartet.
      Liebe Grüße,
      Sabine

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