„Denk mal!“

Wie alles anfing!
Sie kamen ungesehen und in der Nacht und als sie die Stadt im Morgengrauen wieder verließen, war nichts mehr wie vorher. Wer hätte gedacht, dass das in einer so ruhigen Kleinstadt wie Iserlohn passieren kann. Niemand hatte auch nur im Traum daran gedacht und genau deshalb konnte es auch passieren!
Als an diesem Morgen der erste Stadtbedienstete das Rathaus betreten wollte war am Rande des Schillerplatzes, an dem noch am Vortag das Rathaus gestanden hatte, ein tiefer, rechteckiger Krater, der lediglich sein hässliches, eckiges Aussehen mit dem Rathaus, das dort einmal gestanden hatte, gemeinsam hatte. Am Rand lag ein rotes Herz. Darauf, soviel konnte man sehen, war ein Zettel mit einem Skistock aufgespießt.
Herzgebreche mal anders, dachte der erste Stadtbedienstete des Tages, der gestern mit seinem Sohn Rico, Oskar und das Herzgebreche gesehen hatte“ und den Titelsong seitdem einfach nicht mehr aus dem Kopf bekam.
„Ach du Scheiße!“, sagte er laut, als er das Herz vom Skistock und den vom Zettel befreite und die dort niedergeschriebenen Zeilen gelesen hatte. „Das haben wir jetzt von unserem Denkmalschutz für ein Gebäude, das auf einmal jeder schützen will, weil es so besonders hässlich ist.“
Er legte den Zettel zurück an seinen Platz, schaute einmal vorsichtig über den Rand in den Krater. Ganz vorsichtig, denn er war nicht schwindelfrei und ging dann wieder langsam Schritt für Schritt zurück, als er den zweiten Zettel fand und schnell in die Hosentasche steckte. Niemand hatte ihn dabei beobachtet und niemand würde je die wahren Beweggründe erfahren, warum das Rathaus verschwand, dafür würder er sorgen! Einmal zu oft hatte man es als hässlich betitelt.
Hoffentlich geht es ihm da besser, wo es jetzt ist, dachte er und ging nach Hause. Heute hatte er wohl frei.
Übrigens, das ist kein verspäteter Aprilscherz.

10 Gedanken zu „„Denk mal!“

  1. Anne Winckler

    Liebe Sabine,
    haste mich eben lachen hören, als ich das Bild von Eurem Rathaus gesehen habe? Das muss der selbe unbegnadete Architekt gewesen sein, der das Offenbacher Rathaus gebaut hat. Offenbach, das ist, – ja wie soll ich es wertfrei formulieren: Die Stadt neben Frankfurt…. Die Einwohner beider Städte sind sich herzlich in Abneigung verbunden. Ich war dort mit ein bisschen Unterbrechung 30 Jahre Richterin. Na ja, jedenfalls, das Rathaus sieht dort fast so aus wie Eures. Es fehlt allerdings das rote Herz. Das sollte man den Offenbachern mal ans Herz legen. Aber dann macht sich das Rathaus vielleicht auch auf und davon…… Vielleicht fragst Du mal Nik und Aurora, die kennen sich doch aus mit Löchern und Baugruben.
    Liebe Grüße
    Anne

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    1. sabine Beitragsautor

      Liebe Anne,
      vielleicht sollte unser Rathaus auf seiner Flucht mal in Offenbach vorbeischauen, wäre bestimmt witzig, wenn sie dann beide so plaudernd nebeneinander stehen würden, doppelte Nicht-Schönheit; oje, ich bin da jetzt sehr vorsichtig in der Beschreibung, weil das dem Rathaus wohl schon sehr zugesetzt hat, immer wieder als hässlich beschrieben zu werden, wobei ich mich nicht ausnehme, das hat mir Konfetti erzählt, die anscheinend tatkröftig bei dem Verschwinden mitbeteiligt gewesen ist.
      Und die Idee, Aurora und Nik zu fragen, die ist gut, werde ich bei Gelegenheit mal machen, auf jeden Fall habe ich den Rathaus angeboten mich nach Berlin zu begleiten, schwimmen kann es gut …:-)
      Liebe Grüße,
      Mia

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  2. Ulrike

    Liebe Sabine,
    wie das herrlich-hässliche Rathaus von der Erde verschluckt wird und der Zettel vom Skistock aufgespießt – da erscheint mir sofort ein surrealistisches Bild vor Augen.
    Jetzt würde mich die Geschichte aus der Sicht des Rathauses interessieren – vielleicht hat es ja Albträume…
    Herzliche Grüße
    Ulrike

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    1. sabine Beitragsautor

      Liebe Ulrike,
      ich glaube, das sind keine Albträume, das ist surrealistische Realtität aus Iserlohn… Es wird wieder auftauchen, mal schauen, wo das sein wird, ich biete ihm auf jeden Fall Urlaubsbegleitung nach Berlin an,
      liebe Grüße,
      Mia

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  3. musica

    Hallo Mia,
    tja, wenn ein Rathaus mal einfach so verschwindet… Was dann alles nicht mehr ist… Keine Zahlungsaufforderungen mehr wegen Falschparken, keine Möglichkeit mehr, sich über die nicht abgeholten Mülltonnen zu beschweren und vor allem: über Nacht arbeitslos gewordene Verwaltungsangestellte, die nun umherirren… Schon lustig, sich das alles auszumalen. Und so schnell ist so ein Klotz ja auch nicht wieder hingestellt. Steckt dahinter der geheime Wunsch, dass dort ein richtig schickes neues Rathaus stehen soll?
    Wie auch immer – ich wünsche dem alten Rathaus angenehme und erlebnisreiche Ferien!
    Gabriele

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    1. sabine Beitragsautor

      Liebe Gabriele,
      ich glaube, das Rathaus macht Urlaub, hatte auf jeden Fall Unterstützung von Konfetti und ihren Freunden der Nacht und kommt aus diesem nicht mehr zurück, denn es soll ja denkmalgeschützt verschönert werden, da reicht es irgendwann auch mal einem Rathaus.
      Ich würde auch das Weite suchen, bin selbst sehr gespannt, wo es wieder auftaucht,
      liebe Grüße,
      Mia

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  4. Mo...Saik

    Liebe Mia,
    ich als DDR-Plattenhaus-Kind bin dem Plattenbau-Rathaus gegenüber gar nicht so abgeneigt. Besonders das riesige Herz finde ich äußerst charmant.
    Ich hoffe daher sehr, das Rathaus hat irgendwo einen Platz gefunden, wo man seine kantige Schönheit etwas besser zu schätzen weiß. 😉

    lg. mo…

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    1. sabine Beitragsautor

      Liebe Mo,
      ich habe ja auch ein Herz für dieses kantige Rathaus und ich habe mir ja schon etwas einfallen lassen; du wirst staunen, woes dann wieder auftaucht, vermutlich als nicht unwesentliche Hauptperson in „Sieben Tage, sieben Nächter, mit Mia in Berlin!“ …:-)
      Liebe Grüße,
      Mia

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  5. Hedda

    Liebe Mia,

    mich würde brennend interessieren, was die Fenster des Rathauses zu erzählen haben- eingezwängt im Beton geben sie dennoch den Blick frei auf den asphaltierten Vorplatz. Und vielleicht hat sich zum Herz noch eine weiße Flaumfeder gesellt – wer weiß ?

    Beste Grüße und danke fürs Kopfkino

    Hedda

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  6. Pingback: #Mission 7.7.Berlin – Auf der Suche nach dem Iserlohner Rathaus | Wenn Wörter uns halten ….

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