Auf der Ziellinie und nicht darüber hinaus

„Und, siehst du sie schon?“ Konfetti flattert aufgeregt hin und her.
„Wen, um Himmels Willen, soll ich sehen?“, antwortet sie und versucht sich vor dem aufgeregten Flügelschlagen zu schützen. Wieder ist ein Flügel haarscharf an ihrem Auge vorbeigeflattert.
„Na, die Ziellinie und Araballa und den Teufelsberg und Sophia und Sergio. Wenn du zählen könntest, wären wir auch schon längst da!“ Sie schaut mich missmutig an.
„Na ja, sind wir eigentlich auch, ich habe mich nur beim Verrechnen verrechnet, damit wären wir auch schon da, auf, aber eben nicht über der Ziellinie.“
„Und wann sind wir endlich drüber?“ Konfetti flattert eine aufgeregte Kurve nach der anderen auf der Ziellinie, sieht ziemlich seltsam aus, weil sie ständig gegen eine unsichtbare Wand flatterte.
„Sonntagnacht, da werden wir beide in Berlin die Nacht zum Tag schreiben!“
„Nimmst du mich dieses Mal etwa in echt mit? Können wir dann bis nach oben auf den Turm, also zu Sabines Turm und zum Nik und seinem Wohnwagen, wohnt Nik auch da? Lerne ich den Robert und sein Kastilien auch kennen?“
„Konfetti?“, ich versuchte sie in meine Hände zu bekommen. Als es mir gelingt, schaut Konfetti mich entrüstet an.
„Wie kannst du nur so ruhig sein?“
„Na ja, ich habe bei Fe, Christiane und Michael genau das gelernt und gelesen. Ich brauche jetzt bitte nochmal deine Hilfe, bevor du am Sonntag ganz Berlin unruhig flatterst. Bitte, dein Part, sein Name fehlt…“
„Den nehmen wir aber nicht mit, aber wir nehmen die Flaschenpost von Hedda mit und Anne und Kaffee und Käsebrot und ihre legandäre leckere grüne Soße, aber ohne Schwiegerpappi und können wir auf der Fahrt dann klassische Musik hören und darf ich als Fledermaus auch schon Cocktails mit Susi über dem Tresen trinken?
Als sie für den Bruchteil einer Sekunde Luft holt, lenke ich ihren Blick auf den Nachthimmel. Ich muss mir das Lachen verbeißen.
„Was steht denn da?“ Sie schaute mich fragend an.
„Na ja, sowas wie b-s-1!“
„Was ist denn das?“
„Na ja, du bist doch bisher diejenige von uns beiden gewesen, die ihre Namen in bunten Konfetti-Sternen an den Sternenhimmel fliegt …“
„Was sollen denn die Leute denken und Nachbarn zu Bengü sagen und brauche ich nicht vielleicht doch viel mehr digitales Schreibflugzeugs damit ich schneller Buchstaben in den Himmel fliegen und so vielmehr in Berlin herumflattern kann, wo ich bestimmt die wunderschönen Schmetterlinge von Mo treffe, bestimmt, oder?“
„Auf jeden Fall brauchst du weniger Drama, vielleicht mal einen nächtlichen Spazierflug unter Gaslaternen!“
„Jetzt lass mich mal arbeiten!“, gab sie gerade fürchterlich an, weil der Tag vorbeikam. Sie mochte ihn dieses Mal schon sehr, das war klar, denn sonst hätte sie seinen Namen nicht falsch geschrieben. Vor Aufregung. Und eigentlich mochte sie ihn schon sehr, aber viel weniger mochte sie, dass sie von ihm jetzt nicht mehr so viel lesen würde, weil sie seinen Namen seit zwölf Wochen an den Sternenhimmel geflogen hatte.
Und dann stand er endlich da am Nachthimmel in bunten, leuchten Buchstaben über der Ziellinie: #bks11. Dieser eine Tag, der zwölf mal sieben Tage und Nächte lang gewesen war … „Einen #hashtag zu fliegen ist echt sauschwer, Miss Novice hat mir echt super geholfen und Dank Susanne weiß ich ja jetzt, wo ich entspannt Musik hören kann und mit Anna kann ich bestimmt in den coolen Park in Schöneberg fliegen!“ „Na ja, es würde dir echt nicht schaden, auch mal mehr hinter die Oberfläche zu fliegen und dich mit dem recovery-Prinzip auseinanderzusetzen.“ „Ja, mache ich. Berlin ich komme!“, war das letzte, was sie in dieser Dienstagnacht von Konfetti hörte.
Also, wenn ihr sie entdeckt in Berlin, sie war sich sicher, dass sie nur dahin fliegen wird, sagt ihr bitte Bescheid. Ihr wisst ja, wo sie dank eurer Blogs überall sein kann und noch sein wird! 😉