Archiv für den Monat: Mai 2017

Schicksal, Zufall oder doch eine höhere Macht?

„Du hättest die Zeichen längst bemerken können!“, schimpfte Konfetti, die den heutigen Tag, trotz Aussicht auf Berlin, schon nicht mochte, als er gerade nur aufgestanden war. Nun gut, auch dieses Bauchgefühl ihrer treuen Gefährtin der Nacht hatte DIE Nacht nicht so ernst genommen.
Hätte sie besser tun sollen, am besten gestern Nacht oder noch besser vorletzte Nacht.
Bereits am Bahnsteig waren die gelbschwarzen Farben Anzeichen genug, um auf das Fußball-Pokalfinale hinzuweisen. Wusste sie ja, auch vom Kirchentag und Obama und so weiter und so weiter, war alles bekannt, auch in der Nacht. Da Obama nicht mit dem Zug fuhr, machte sich DIE Nacht da weniger Sorgen. Sorgen hätte sie sich aber machen sollen, als die hereinkamen, die zum Kirchentag wollten. Also, selbst ein Mensch mit Hörgerät hätte spätestens nach zwei Sätzen gewusst, wer sie waren und wohin sie wollten und zu welchem Workshop sie wann und mit wem sie gehen wollten und welche Kirchenlieder sie auswendig singen konnten …
„Na ja, an der Kleidung hätte ich sie vielleicht noch erkannt, aber wenn sie reden, können sie nicht mehr verbergen, wohin sie wollen!“, lachte Konfetti, die schlauer als DIE Nacht gewesen war und mit ihren Kopfhörern und einem Hörbuch im Rucksack unterm Sitz verschwand.
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Schwarzes Café, Berlin?

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Liebe *Schwarzes-Cafe”-Mitarbeiter*innen,

ich möchte mich kurz vorstellen, bevor ich Ihnen mein vielleicht etwas ungewöhnliches Anliegen erkläre. Mein Name ist Sabine Hinterberger, ich bin eigentlich Tagschreiberin, schreibe aber seit zwölf Wochen einen Blog als Nachtschreiberin, was bedeutet, meine Texte entstehen ausschließlich in der Nacht, bei hereinbrechender Dämmerung.
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Auf der Ziellinie und nicht darüber hinaus

„Und, siehst du sie schon?“ Konfetti flattert aufgeregt hin und her.
„Wen, um Himmels Willen, soll ich sehen?“, antwortet sie und versucht sich vor dem aufgeregten Flügelschlagen zu schützen. Wieder ist ein Flügel haarscharf an ihrem Auge vorbeigeflattert.
„Na, die Ziellinie und Araballa und den Teufelsberg und Sophia und Sergio. Wenn du zählen könntest, wären wir auch schon längst da!“ Sie schaut mich missmutig an.
„Na ja, sind wir eigentlich auch, ich habe mich nur beim Verrechnen verrechnet, damit wären wir auch schon da, auf, aber eben nicht über der Ziellinie.“
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Eine Mischung wie Kürbis und Ingwer

Als sie sich das erste Mal im Café trafen, war nichts an CharmingBoy123 so, wie sie es sich vorgestellt hatte. Er, nach eigenen Angaben charmanter, schlanker und wirklich sportlicher Typ, Mitte 50, mit nettem Äußeren, verkörperte am runden Cafétisch den Eindruck von Günter, dem eingebildeten Krampfsportler mit Haarausfall. Nun sah er von seinem Handy auf und erblickte sie, 48-jährige Businessfrau mit 3 siamesischen Katzen und 10 Jahre jüngeren Kupplerfreundinnen, wie sie versuchte, im letzten Moment hinter einen vorbeilaufenden Kellner zu hechten. Sie merkte, dass sie aufgeflogen war, und winkte nun mit aufgesetztem Lächeln in seine Richtung, während sich ihr Inneres zusammenknüllte. Er stand hastig auf und fuhr mit seiner Hand über seine schwarzgrauen Stoppelhaare , wobei er fast seinen Kaffee umstieß.  ,,Bist du CharmingBoy123?“, fragte sie sie mit leichter Skepsis und strahlendem Lächeln. ,,Jup!“, sagte er und musterte sie aus grauen Augen von oben bis unten. ,,Du bist dann ja wohl PinkUnicornPrincess.“ ,,Also den Namen hab übrigens nicht ich mir ausgedacht! Das war eine Freundin…“ ,,Aha. Du bist sieben Minuten zu spät, deshalb hab ich uns schonmal einen Kürbis-Ingwer-Macchiato bestellt. Ich hoffe du magst ihn?“ ,,Mh? Jaa klar! Mein Lieblingsgetränk…Woher wusstest du das?“, log sie mit verbissener Freundlichkeit. ,,Ich wusste es nicht.“ Na toll! Das hatten Elena und Laura mal wieder super geplant. Verkuppeln wir sie doch einfach mit dem spießigsten Typen den wir finden können, zwingen sie vorher zum Frisör zu gehen und lassen sie danach einfach im Stich, um ohne sie einen Spa-Day in der neueröffneten Wellness-Oase zu verbringen. Hätten sie nicht wenigstens jemanden aussuchen können, dessen Humor nicht im Sonnenstudio verdunstet ist? ,,In deinem Profil stand, du wärst offen für Neues?“, hakte er nach. ,,Wie hast du das gemeint?“ Ewww, worauf wollte der denn hinaus? ,,Ach, ich meinte nichts Bestimmtes…“, antwortete sie. ,,Aha“ Er schien das Interesse verloren zu haben.

Fliegen

Du willst dem Stress entfliehen, weit weg – aber wie?
Für weit weg kommt nur ein Turboflieger in Frage. Jedoch sagen deine Freunde, diese Himmelsgeschosse wären Sternenzerstörer.
Du bist auch eher für Fliegen im grünen Bereich, so wie die Vögel.
„Flieg, Vöglein flieg …“, ein altes Kinderlied summt dir durch den Kopf. Dein Wunsch nach Freiheit wird stärker, dehnt sich in dir aus, droht dich zum Platzen zu bringen.
Aber nein, du wirst leichter, beginnst zu schweben, fühlst dich wunderbar schwerelos, hebst ab – nun bist du losgelöst von der Erde. Der Wind wirbelt dich hoch über den Köpfen deiner gestressten Mitmenschen. Du besiehst dir die Welt von oben, fliegst von allen Sorgen befreit dem Himmel entgegen. Eine fluffige Wolke saugt dich auf, du brauchst keinen Flieger mehr.

Neue, alte Fotos aus dem Schreibcafé

Hier werden jetzt wieder aktuelle Fotos von Schreibcafé-Aktionen zu finden sein …

Konfetti hat eine Idee – gemeinsam ein Gedicht schreiben

Konfetti hatte letzte Woche ihren 5. Geburtstag und hatte sich zur Feier des Tages ein Buch über den Mann im Mond gewünscht. Es war faszinierend zu beobachten, mit welcher einer Freude und mit was für einem Respekt sie die Seiten behutsam mit ihrem rechten Flügel umblätterte, was als Fledermaus gar nicht so einfach ist, auch wenn es bei ihr sehr leicht aussah …
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Buch cover "Wenn mein Mond deine Sonne wäre", von Anderas Steinhöfel, Carlsen Verlag

Seltsam wie die Zeit (nicht) und ganz anders vergeht

Foto: Buchcover, Wenn mein Mond deine Sonne wäre, Andreas Steinhöfel, Carlsen Verlag

Wie es dazu kam, dass die Zeit bei der Nachtschreiberin um eine Woche schneller lief, bleibt ein Rätsel. Böse Zungen würden vielleicht von „kann-nicht-gut-rechnen“ oder „Tagesmüdigkeit“ reden.
Natürlich ist es das alles nicht. Weiterlesen