Archiv für den Monat: Juni 2016

Zum Tag des Schreibens – Wortgedanken

Die Mitglieder des Schreibcafés haben auf Anregung von Sonja eine begonnene Geschichte per whatsapp Satz für Satz weitergeschrieben. Hier ist das Ergebnis: Traurig klingen die Weisen, die ein noch unentdeckter Geiger auf dem Asphalt aus seinem Instrument lockt. Die Töne schweben empor zu mir, fünf Etagen hoch und richten meinen Blick auf Wolken und Blätter, die sich im Wind wiegen. Gerne würde ich mit dem Wind fliegen, auf einer der flauschigen Wolken liegen, mich treiben lassen. Doch das wird ein Traum bleiben, sagt mir mein Blick durch die Gitterstäbe meines Fensters. „Leise klingen meine Lieder…“, singe ich die eine kurze Textzeile, die mir im Gedächtnis geblieben ist, mit : „warum so melancholisch, sei fröhlich, lauter interessante Wörter lauern und schwirren herum!“ Ich sage mir, den Körper mögen sie einsperren, doch niemals meinen Geist. Mit Worten, so jubelnd und Gedanken so frei, schwinge ich mich empor in die Lüfte und endeile meinem Schicksal. Doch boing. Da hänge ich in den Gitterstäben fest. Der Schmerz einer großen Beule macht mir klar, wie aussichtslos meine Situation ist. Ich nehme ein Kühlpack aus dem Kühlschrank und genieße den nachlassenden Schmerz. Als ich mich umdrehe, ist die Mauer, die mich mit ihren Gitterstäben bis eben festgehalten hat, verschwunden. Geblieben ist der Sonnenaufgang… Oder ist es vielleicht doch der Sonnenuntergang? Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen und die Ungewissheit zerrt an mir und macht mich fertig. Die Ungewissheit überkommt mich immer nach einem feuchtfröhlichen Abend, Filmriss und Unwissenheit. Schön, dass zumindest die Sonne scheint. Mann Mann Mann, hab ich aber auch einen Schädel… Und was macht der Tiger im Bad? Langsam strecke ich meine Hand aus in Richtung der Mauer, die da nicht mehr ist. Ich warte förmlich auf etwas zu stoßen. Aber da ist…. …nur noch Freiheit.  Ich spüre sie,  lasse meine Gedanken fliegen. Mit ihnen wird auch mein Körper wieder leicht und schwerelos. Das ist es, was zählt.  Den eigenen Weg erkennen,  sich nicht einengen lassen. Nicht von Menschen, von Taten, von falschen Worten. Und als sich meine Sinne verbünden, erkenne ich meinen Weg mit geschlossenen Augen. Buchstabe für Buchstabe und Satz für Satz laufe ich in Richtung Zukunft.