Die Lieblingswörter-NICHT-GUTE-Nachtgeschichte – Teil 3

Foto:Quelle: Anka Agency International/imago

„Nicht Rederei, REDEBREI Das „B“, verflucht nochmal, fehlt!“
„Wie jetzt, ich dachte, das wäre nur ein blöder Spitzname!“
„Natürlich, einer von vielen! Und du hast auch noch vergessen die Laterne anzumachen.“
„Ja, bin ich denn der Mann im Mond oder was, das ist doch nicht mein Job!“ Konfetti flog schmollend aus ihrer Nähe. Das kam bei ihnen beiden nicht selten vor. Manchmal benahmen sie sich nicht nur wie ein altes Ehepaar, sondern sie waren eins.
Sie seufzte. Konfetti hatte ja nicht ganz unrecht, aber sie brauchte ihn und seinen Namen, einen seiner vielen Namen, die die Menschen benutzten, wenn sie an ihn dachten. Und da er so facettenreich wie gute Jazzmusik und so langweilig, aber weich wie ein Daunenkissen zugleich war, waren das eine Menge Namen, die ihm die Menschen gaben.
Sie schaute zum Horizont, während das Meer ihre nackten Erinnerungen umspülte und die Stille der Träume sie zart umhüllte wie Bitterschokolade die Pfefferminzfüllung bei After Eight. After Eight war ihre fast einzige Schwäche, wenn sie von all den anderen Lieblingsschokoladensorten mal absah. Ihr lief das Wasser im Mund zusammen. Sie riss sich zusammen, schluckte ihren Lieblingsgeschmack hinunter und konzentrierte sich darauf seine Buchstaben am Himmel zu halten, bis der Morgen graute …
Keine leichte Aufgabe, wenn Konfetti nicht auf ihrer Schulter saß. Sie rieb sich die leere Stelle und sehnte sie herbei. Ein manipulatives Manöver, dass Konfetti sehr gut kannte und das bei ihrem heutigen Schmollgrad nicht ausreichte, sie zum Zurückfliegen zu bewegen.
Sternenschimmer analog auf Vampir obsolet, das half, denn die Wahrheit war, dass sie beide mit der Trennung vom anderen nicht lange leben konnten; das wussten sie beide und manchmal mussten sie es für einen Moment ohne den anderen aushalten, um sich selbst auszuhalten.
„Zuviel einmuckeln, ist wie Bettmonster mit zu viel Monster!“, sinnierte Konfetti zusammenhanglos, als sie kurz vor Morgengrauen zurückgeflogen kam.
So hielten sie beide seinen Namen am Sternenhimmel, bis der Name im Tag verschwand und sein Nachfolger gähnend aufstand.

4 Gedanken zu „Die Lieblingswörter-NICHT-GUTE-Nachtgeschichte – Teil 3

  1. Anne Winckler

    Liebe Sabine,
    zugegeben – das Foto hat jetzt nicht den „ach, ist die aber so“-Reflex bei mir ausgelöst. Das tuen eher Erdmännchen oder so. Aber als Begleiterin durch die Nacht ist sie natürlich genial. Und der Name Konfetti, der macht es dann aus. Ich habe diese Fledermaus schon in mein Herz geschlossen Deine Beschreibung ist so bildhaft, dass ich mir sogar eine schmollende Fledermaus vorstellen kann.
    Liebe Grüße
    Anne

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  2. Anne Winckler

    ja, man sollte seine Kommentare doch vor dem Absenden noch mal lesen: Ich meine den
    „ach ist die aber süß“ Reflex….
    LG
    Anne

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  3. Ulrike

    Liebe Sabine,
    die schmollende Fledermaus ist mir schon ans Herz gewachsen. Mir gefällt die poetische Sprache der Nacht (z.B. die „nackten Erinnerungen“ ) und ich habe sofort Bilder vor Augen.
    Der letzte Satz klingt bei mir nach:
    „So hielten sie beide seinen Namen am Sternenhimmel, bis der Name im Tag verschwand und sein Nachfolger gähnend aufstand.“
    Mich fasziniert, dass mit dem Verschwinden des Namens vielleicht auch die Identität seines Trägers verschwindet oder sich verwandelt.
    Herzliche Grüße
    Ulrike

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